Gemeindeentwicklung Engelskirchen - Neue Mitbürgerinnen und Mitbürger erwünscht?

Ratsfraktion

Die Diskussion um die mögliche Ausweisung eines neuen Baugebietes in Ründeroth-Buschhausen hält an. Auch wir in der SPD setzen uns intensiv mit diesem Thema auseinander.

Vorweggeschickt – wir halten ein neues Baugebiet in Engelskirchen nicht für einen solchen Umwelt-Frevel, dass sich eine Diskussion und ein Abwägen der Argumente von vornherein verbieten würde. Dies tun wir vor allem im Hinblick auf die Einschränkungen, die die geographische Lage und der Waldreichtum unserer Gemeinde mit sich bringt und besonders auch unter Berücksichtigung, dass wir als Klimagemeinde in den vergangenen Jahren davon abgesehen haben, aktiv neue Baugebiete zu entwickeln.

Anders als unsere Nachbargemeinden haben wir uns im Wesentlichen darauf beschränkt, wo immer sinnvoll möglich, alte Gebäudekomplexe neuen Bestimmungen zuzuführen oder Baulücken zu schließen.

Ein gegen ein neues Baugebiet in Buschhausen häufig genanntes Argument lautet, dass die Prognosen zur Bevölkerungsentwicklung in Engelskirchen eindeutig einen stark negativen Trend ausweisen. Aber dürfen wir diese Prognose einfach hinnehmen oder müssen wir uns nicht vielmehr aktiv gegen diesen Trend stemmen? So wie es Gemeinden in unserer unmittelbaren Nachbarschaft schon seit einigen Jahren tun?

Was sind die Konsequenzen aus einer schrumpfenden Bevölkerung, die auch noch gleichzeitig immer älter wird?

- Mangels Nachfrage und Nutzung wird es immer schwieriger werden, die vorhandene Infrastruktur auszulasten. Kitas und Schulen, Vereine mit ihren gerade sanierten Sportplätzen und Einzelhandels-Geschäfte benötigen eine bestimmte Menge an Kindern, Mitgliedern und Kunden, um betrieben und erhalten werden zu können.

- Investitionen, die wir in diese Bereiche in den vergangenen Jahren getätigt haben, werden sich nicht mehr amortisieren lassen und dann den Gemeindehaushalt stärker als geplant belasten. Der für zukünftige Investitionen verfügbare Finanzrahmen wird enger.

- In der Folge wird die Lebensqualität in Engelskirchen sinken, was wiederum den Negativtrend in der Bevölkerungsentwicklung verstärken wird. Wer bleibt gerne in einer Gemeinde, die sich die Entwicklung einer modernen Infrastruktur nicht mehr oder nur noch über drastisch erhöhte Grundsteuern leisten kann?

- Bei gleichzeitig weiterer Bauland-Entwicklung in den Nachbargemeinden wird Engelskirchen zum Verkehrshub für diese Gemeinden. Mit hohen Anforderungen an und Belastungen durch die dann notwendige Pendler-Verkehrsinfrastruktur und ohne davon wirtschaftlich zu profitieren.

Was können wir gegen diese wenig attraktiven Aussichten tun?

- Die Ziele des integrierten Handlungskonzeptes konsequent weiterverfolgen und dabei in den nächsten Jahren weiter auf die Umweltverträglichkeit der geplanten Maßnahmen achten.

- Eine aktive Bevölkerungspolitik betreiben. Junge Menschen durch passende Wohn-Angebote in der Gemeinde halten und den aktuellen Trend, die Annehmlichkeiten einer Großstadt zugunsten eines gesünderen Lebens auf dem Land einzutauschen, aufgreifen und jungen Familien durch eine gute Grundstücksauswahl dabei unterstützen, dass sie ihre Wohn- Wünsche erfüllen können.

- Unsere besonders günstige Verkehrssituation als Argument nutzen und dem Wunsch zu mehr umweltverträglicher Mobilität mit einem modern vernetzten ÖPNV-Angebot entsprechen.

- Für ältere Bürgerinnen und Bürger attraktiven und gleichzeitig bezahlbaren Wohnraum schaffen, der es ihnen ermöglicht, ihre oft sanierungsbedürftigen alten Häuser gerne zu verlassen.

Gemeindeentwicklung und Naturschutz müssen keine Gegensätze sein.

Für uns steht fest

- Bei der Beurteilung neuer Flächen für Wohnbebauung sollten immer die besonderen kommunalen und auch regionalen Bedingungen berücksichtigt werden. Wenn eine Metropole wie Hamburg den Bau weiterer Einfamilienhäuser untersagt, heißt das nicht, dass eine ländliche Gemeinde wie Engelskirchen genau so verfahren muss.

- Bei der Auswahl von Baulandflächen wird berücksichtigt, dass diese möglichst nahe an vorhandener Mobilitätsinfrastruktur liegen und so möglichst wenig zusätzliche Fläche für Verkehrswege versiegelt werden muss. So lassen sich auch Zersiedelungstendenzen in den Höhenlagen der Gemeinde verhindern. Diese Flächen sind landwirtschaftlich einfacher zu bewirtschaften als die engen Tallagen.

- Die Bauleitplanung für eine neue Fläche setzt klare Regeln für die Art der Bebauung. Es wird auf eine Mischung von Mehrfamilien-Geschossbau und Einfamilienhaus geachtet. Auch auf den Einsatz umweltfreundlicher Baumaterialien und Energie aus regenerativen Quellen wird geachtet.

Für die Zukunft unserer Gemeinde ist es wichtig, dass die Auswirkungen in ihrer Gesamtheit betrachtet und abgewogen werden. So lassen sich die vielfältigen Wohnwünsche junger Familien und älterer Mitbürger und Mitbürgerinnen mit den Bedürfnissen des notwendigen Naturschutzes verbinden. Und das unter Berücksichtigung der für unsere Region typischen Dorfstrukturen und den wirtschaftlichen Notwendigkeiten einer zukunftsfähigen Gemeinde.

Wir plädieren für eine offene Diskussion über umweltfreundliches Bauen im Einklang mit der Natur statt für Sackgassen-Ideologie.